Jede Mobilfunkgeneration beginnt nicht mit einer Produkteinführung, sondern mit einem Dokument. Für 3G war es IMT-2000. Für 4G, IMT-Advanced. Für 5G, IMT-2020. Nun hat die Internationale Fernmeldeunion (ITU) IMT-2030 veröffentlicht — das Framework, das definiert, was 6G erreichen muss, bevor ein Betreiber sein Netz legitimerweise als „sechste Generation" bezeichnen kann.
Was ist IMT-2030?
IMT-2030 ist das Visionsframework des ITU-Funkommunikationssektors (ITU-R) für internationale Mobilfunksysteme jenseits von 2030. Formell verabschiedet durch die Empfehlung ITU-R M.2160 Ende 2023, legt es die Leistungsanforderungen, Nutzungsszenarien und Fähigkeitsziele fest, die 6G-Technologien erfüllen müssen.
Sechs Nutzungsszenarien
Immersive Kommunikation entwickelt eMBB zu volumetrischen, holografischen und multisensorischen Erlebnissen weiter.
Hyperzuverlässige Kommunikation mit niedriger Latenz erweitert URLLC auf 0,1 Millisekunden mit 99,99999 % Zuverlässigkeit.
Massive Kommunikation skaliert mMTC von einer Million auf zehn Millionen Geräte pro Quadratkilometer.
Allgegenwärtige Konnektivität integriert nicht-terrestrische Netze als native Architekturkomponenten.
KI und Kommunikation formalisiert KI als native 6G-Fähigkeit.
Integriertes Sensing und Kommunikation verschmilzt drahtlose Kommunikation mit radarähnlicher Umgebungserfassung.
Leistungsziele
Spitzendatenrate: 200 Gbit/s. Nutzerdatenrate: 300 Mbit/s–1 Gbit/s. Latenz: 0,1 ms. Zuverlässigkeit: 99,99999 %. Verbindungsdichte: 10 Millionen Geräte/km². Energieeffizienz: 100-fache Verbesserung. Positionierungsgenauigkeit: 1–10 Zentimeter.
Bewertungsprozess
Die ITU wird Kandidatentechnologien zwischen 2027 und 2030 bewerten. Die IMT-2030-Bezeichnung ist Voraussetzung für die Spektrumzuweisung. 3GPP wird voraussichtlich seine Release-21- oder -22-Spezifikationen als Hauptkandidat einreichen.
Designprinzipien
Nachhaltigkeit by Design, Sicherheit und Resilienz als Fundament, digitale Inklusion, domänenübergreifende Interoperabilität sowie Offenheit und Flexibilität.
Zeitplan
Das Visionsframework wurde Ende 2023 fertiggestellt. Technische Anforderungen wurden 2024–2025 finalisiert. Der Aufruf für Kandidaten wird 2027 erwartet. Bewertung 2028–2029. Finale Spezifikation ist für 2030 vorgesehen.
Fazit
IMT-2030 ist das folgenreichste Dokument in der drahtlosen Telekommunikation heute. Es bestimmt die Forschungsprioritäten jedes großen Herstellers, die Spektrumpolitik jeder nationalen Regulierungsbehörde und die Investitionsentscheidungen jedes Mobilfunkbetreibers für das kommende Jahrzehnt.