Südkoreas 6G-7G-Fahrplan ist das weltweit ambitionierteste nationale Programm für Mobilfunk der nächsten Generation: mehr als 650 Millionen US-Dollar staatliche Förderung bis 2028 und ein angepeilter kommerzieller 6G-Start für 2028/2029. Laut MSIT (2023) will Südkorea seinen Vorsprung aus der 5G-Ära wiederholen, indem es 6G ein bis zwei Jahre vor dem globalen Konsenszeitplan ausrollt.

Kerndaten

  • Staatliche Förderung: Über 650 Millionen US-Dollar (mehr als 660 Milliarden KRW) für 6G-Forschung bis 2028 — MSIT, 2023
  • Kommerzielles Ziel: Pre-6G-Technik bis 2026, kommerzieller Start 2028/2029 — MSIT, 2023
  • Zielwert Datenrate: Bis zu 1 Tbit/s Spitzendatenrate (50-mal schneller als 5G) — MSIT, 2023
  • Zielwert Latenz: Unter einer Millisekunde (0,1 ms), ein Zehntel von 5G — MSIT, 2023
  • Zentrale Akteure: Samsung, SK Telecom, KT, LG U+, ETRI, IITP — diverse, 2024–2026
  • 7G-Forschung: Das IITP fördert seit 2022 Forschung zu THz-Transceivern oberhalb von 300 GHz — IITP, 2022
  • 5G-Präzedenzfall: Weltweit erster kommerzieller 5G-Start am 3. April 2019 — SK Telecom, 2019

Südkorea startete im April 2019 als erstes Land kommerzielles 5G. Nun tritt das Land an, diese Auszeichnung mit 6G zu wiederholen — und legt bereits die Grundlagen für das, was danach kommt. Diese Analyse stammt vom Redaktionsteam von 7G Network, das Mobilfunktechnologien der nächsten Generation und die zugehörige Politik seit der Zeit vor 5G verfolgt. Die Strategie der koreanischen Regierung ist das weltweit ambitionierteste nationale 6G-Programm, gestützt auf hunderte Millionen Dollar öffentlicher Förderung und ein heimisches Industrieökosystem mit Samsung, SK Telecom, KT und LG U+.

Die nationale 6G-Strategie

Südkoreas Ministerium für Wissenschaft und IKT (MSIT) hat von 2024 bis 2028 mehr als 650 Millionen US-Dollar öffentliche Förderung für 6G-Forschung zugesagt, mit dem Ziel eines kommerziellen 6G-Starts 2028/2029 — rund ein bis zwei Jahre vor dem globalen Konsenszeitplan von 2030 bis 2032.

Im November 2023 stellte Südkoreas Ministerium für Wissenschaft und IKT (MSIT) seine Strategie zur Förderung der 6G-Forschung vor und sagte 440 Milliarden KRW (rund 324 Millionen US-Dollar) für den Zeitraum 2024 bis 2028 zu. Sie baut auf einer früheren Investition von 220 Milliarden KRW (160 Millionen US-Dollar) auf. Die gesamte staatliche 6G-Förderung übersteigt damit 650 Millionen US-Dollar.

Die Investition richtet sich auf fünf Schlüsselbereiche:

  • Funkkommunikation: Sub-THz-Hardware, KI-native Funktechnik, fortgeschrittene Modulation
  • Mobilfunkkernnetz: Cloud-native Architektur, Network Slicing, Edge Computing
  • Festnetze: Backhaul mit extrem hoher Kapazität für 6G-Basisstationen
  • Systemintegration: Durchgängige Testfelder und vorkommerzielle Tests
  • Normung: Aktive Führungsrolle in den Arbeitsgruppen von 3GPP und ITU

Das erklärte Ziel: Pre-6G-Technik bereit bis 2026, kommerzieller Start 2028–2029. Das liegt ein bis zwei Jahre vor dem globalen Konsenszeitplan 2030–2032 und würde den Einsatz von Equipment auf Basis von Vorstandard-Spezifikationen erfordern — genau der Ansatz, den Südkorea schon bei 5G gewählt hat. Verglichen mit dem globalen 6G-Normungszeitplan ist der koreanische deutlich beschleunigt.

2026: das Jahr der Pre-6G-Demonstration

Das Pre-6G Vision Festival des MSIT zeigt 2026 Sub-THz-Prototypen oberhalb von 100 GHz, Demonstrationen KI-nativer RAN-Technik, Machbarkeitsnachweise für integrierte Sensorik und Kommunikation sowie die Einbindung nicht-terrestrischer Netze mit LEO-Satelliten.

2026 ist ein Meilensteinjahr in Koreas 6G-Fahrplan. Das MSIT richtet das Pre-6G Vision Festival aus — eine internationale Veranstaltung, zu der Telekommunikationsunternehmen, Ausrüster, Normungsexperten und Regierungsvertreter eingeladen werden, um die Ergebnisse der koreanischen 6G-Forschung zu sehen.

Gezeigt werden:

  • Sub-THz-Prototypsysteme im Betrieb oberhalb von 100 GHz
  • Demonstrationen KI-nativer RAN-Technik mit Echtzeit-Inferenz
  • Machbarkeitsnachweise für integrierte Sensorik und Kommunikation (ISAC)
  • Einbindung nicht-terrestrischer Netze über LEO-Satellitenverbindungen

Auch die Pre-6G-Pilotprojekte starten 2026. Sie geben Anbietern die Gelegenheit, zukunftsfähige Hardware auszurollen, die sich per Software auf den finalen 6G-Standard aktualisieren lässt — eine Strategie, die das Risiko des frühen Rollouts senkt, indem sie die Hardware-Investition von der Fertigstellung der Normen entkoppelt.

Die 6G-Gesellschaft

Im Juli 2024 gründete das MSIT die 6G-Gesellschaft — ein sektorübergreifendes Gremium mit mehr als 30 Fachleuten aus Mobilfunk- und Satellitenkommunikation. Ihr Auftrag: die 6G-Normen prägen und die Marktreife beschleunigen.

Der Fokus der 6G-Gesellschaft auf die Integration von Satellit und Bodennetz spiegelt Koreas Wette wider, dass 6G nicht rein terrestrisch sein wird. Die Vision heißt Hyperspace-Kommunikation — nahtlose Konnektivität über Land, See, Luft und erdnahe Umlaufbahn hinweg, bei der ein einzelnes Gerät unterbrechungsfrei zwischen terrestrischen Basisstationen und Satellitenverbindungen wechselt.

Samsung: der Hardware-Motor

Samsung Electronics hat gemeinsam mit der UC Santa Barbara einen 6G-THz-Funkprototyp im 140-GHz-Band entwickelt und ist weltweit führend bei Auslieferungen von 5G-Massive-MIMO-Basisstationen — eine Ausgangsposition für die Entwicklung von holografischem MIMO für 6G.

Samsung Electronics ist Koreas wichtigstes Vehikel für die 6G-Hardwareforschung. Das Samsung Advanced Institute of Technology und Samsung Research haben mehrere bedeutende Meilensteine erreicht:

THz-Prototypsysteme: Samsung entwickelte gemeinsam mit der UC Santa Barbara einen 6G-THz-Funkprototyp im 140-GHz-Band. Das System erreichte Datenraten über den 6G-Zielwerten auf Innenraumdistanzen und bewies damit, dass die grundlegende Physik der Sub-THz-Kommunikation auch in der Praxis funktioniert, nicht nur in der Simulation.

6G-Whitepaper: Samsung veröffentlichte drei umfassende 6G-Visionspapiere (2020, 2021, 2023), die jeweils Architekturprinzipien setzten und die Studienpunkte des 3GPP direkt beeinflusst haben. Samsungs Vision betont KI-native Kommunikation, hypervernetzte Nutzungserlebnisse und massive Maschinenkommunikation mit Ambient-IoT-Geräten.

Führung bei Massive MIMO: Samsung ist weltweit führend bei Auslieferungen von 5G-Massive-MIMO-Basisstationen. Das eröffnet dem Unternehmen einen direkten Weg zu holografischem MIMO für 6G — von hunderten zu tausenden Antennenelementen auf Basis der bestehenden Fertigungsinfrastruktur.

Netzbetreiber: Ehrgeiz trifft Pragmatismus

Die koreanischen Betreiber SK Telecom, KT und LG U+ wechseln vom landesweiten 6G-Rollout zu einer Hotspot-Strategie — Industriegebiete, dichte Stadtkorridore und Spezialstandorte — und stellen die Rendite in den Vordergrund, nachdem die teuren 5G-Flächenrollouts ihre Lehren hinterlassen haben.

Koreas drei große Betreiber — SK Telecom (SKT), KT und LG U+ — unterstützen den staatlichen 6G-Zeitplan öffentlich, doch ihre Investitionshaltung ist vorsichtiger, als die Regierungsrhetorik nahelegt.

Die Betreiber haben aus 5G teure Lehren gezogen. Korea investierte massiv in landesweite 5G-Abdeckung, doch die Verbraucher nahmen die Verbesserungen weitgehend als selbstverständlich hin — höhere Geschwindigkeiten, aber nicht genug, um Premiumtarife zu rechtfertigen. Die ARPU-Zuwächse (Umsatz je Nutzer) durch 5G blieben bescheiden.

Für 6G plädieren die Betreiber für eine Hotspot-Strategie statt eines landesweiten Rollouts:

  • Industriegebiete: Fabriken, Häfen und Logistikzentren, in denen die Ultrazuverlässigkeit und die Sensorikfähigkeiten von 6G die Infrastrukturkosten rechtfertigen
  • Dichte Stadtkorridore: Geschäftsviertel und Verkehrsknoten mit hoher Nutzerdichte
  • Spezialstandorte: Stadien, Kongresszentren und Krankenhäuser mit extremen Anforderungen an Kapazität oder Latenz

Dieser Ansatz stellt die Rendite über das Prestige der Flächenabdeckung — eine bedeutende strategische Kehrtwende gegenüber der 5G-Ära. Ähnliche Lehren aus der 5G-Zeit prägen 6G-Strategien weltweit.

Leistungsziele

Südkoreas offizielle 6G-Leistungsziele gehören zu den ambitioniertesten weltweit:

  • Datenrate: Bis zu 50-mal schneller als heutiges 5G — das bedeutet Spitzendatenraten von 1 Tbit/s
  • Latenz: Ein Zehntel der 5G-Latenz — unter einer Millisekunde, angestrebt sind 0,1 ms
  • Verbindungsdichte: Unterstützung von Millionen Geräten je Quadratkilometer (Ambient IoT)
  • Energieeffizienz: Hundertfache Verbesserung bei Bit pro Joule gegenüber 5G
  • Positionsgenauigkeit: Zentimetergenaue Ortung in Innenräumen durch integrierte Sensorik

Die 7G-Frage

Koreas Institut für Planung und Bewertung von Informations- und Kommunikationstechnologie (IITP) fördert seit 2022 Forschung zu THz-Transceivern oberhalb von 300 GHz mit Blick auf 7G-Anwendungsfälle. Samsung Research veröffentlichte zugleich Arbeiten zu holografischem MIMO und semantischer Kommunikation — Kerntechnologien des erwarteten 7G-Stacks.

Südkorea hat kein formelles 7G-Forschungsprogramm veröffentlicht, doch mehrere Signale deuten auf eine frühe Positionierung hin:

Koreas Institut für Planung und Bewertung von Informations- und Kommunikationstechnologie (IITP) fördert seit 2022 Forschung zu THz-Transceivern für 7G-Anwendungsfälle — konkret Bauelemente oberhalb von 300 GHz im eigentlichen Terahertzband, das 7G voraussichtlich nutzen wird.

Samsungs Forschungslabore veröffentlichten Arbeiten zu holografischem MIMO und semantischer Kommunikation — Technologien, die allgemein eher 7G als 6G zugeordnet werden. Sie firmieren zwar als Forschung jenseits von 6G, decken sich aber präzise mit dem 7G-Technologiestack.

Die strategische Logik ist eindeutig: Südkoreas nationale Wettbewerbsfähigkeit hängt an der Führungsrolle in der Telekommunikation. Erster bei 5G zu sein, verschaffte der heimischen Industrie einen Vorteil. Erster bei 6G zu sein, würde ihn erhalten. Und die 7G-Forschung schon in den 6G-Entwicklungszyklus einzubetten — statt auf den Abschluss von 6G zu warten — würde Korea für den nächsten Übergang in Position bringen.

Sollte ein Land im Zeitfenster 2027 bis 2030 einen formellen 7G-Forschungsfahrplan veröffentlichen, wird es fast sicher Südkorea sein.

Risiken und Herausforderungen

Südkoreas ambitionierter 6G-Zeitplan birgt Risiken: Ein Rollout vor dem Standard kann teure Geräte-Updates erfordern, die Verbrauchernachfrage nach 6G-Verbesserungen ist nach den bescheidenen ARPU-Zuwächsen von 5G unsicher, und die Spektrumsentscheidungen der WRC-27 könnten Koreas Frequenzplanung berühren.

Risiko des Rollouts vor dem Standard: 6G vor der Finalisierung des 3GPP-Standards zu starten bedeutet, dass frühe Geräte teure Updates oder Austausch erfordern können. Korea hat dieses Risiko bei 5G in Kauf genommen (frühe Non-Standalone-Rollouts brauchten später Standalone-Updates), und die Kosten waren nicht gering.

Unsichere Verbrauchernachfrage: Koreanische Verbraucher gehören zu den digital versiertesten weltweit, reagierten auf die Geschwindigkeitszuwächse von 5G aber weitgehend gleichgültig. Wenn 6G keine sichtbar anderen Erlebnisse liefert — nicht bloß schnellere Versionen bestehender Anwendungen — schwächt das den wirtschaftlichen Fall.

Geopolitische Positionierung: Korea muss zwischen dem US-amerikanischen und dem chinesischen Technologieökosystem navigieren. Koreanische Anbieter verkaufen in beide Märkte, und ein fragmentierter 6G-Standard würde schwierige Entscheidungen erzwingen, welches Ökosystem Vorrang hat.

Spektrumsverfügbarkeit: Zentrale Entscheidungen zum 6G-Spektrum fallen auf der WRC-27. Koreas Frequenzfahrplan hängt an internationaler Koordination, die nicht garantiert ist.

Worauf zu achten ist

Wer das weltweite 6G-Rennen verfolgt, findet in Südkorea die klarsten Meilensteine:

  • 2026: Pre-6G Vision Festival und Ergebnisse der Pilotprojekte — halten die Demonstrationen ihre Leistungsversprechen?
  • 2027: Spektrumsentscheidungen der WRC-27 — bekommt Korea die Bänder, die sein 6G-Plan verlangt?
  • 2028: Ziel des vorkommerziellen Starts — findet er statt, und mit welcher Abdeckung?
  • 2029–2030: Kommerzielles 6G — ist Korea tatsächlich Erster, oder gleicht sich der Zeitplan dem weltweiten an?

Koreas Bilanz spricht dafür, dass der Zeitplan ehrgeizig, aber nicht unrealistisch ist. Infrastrukturökosystem, staatliches Engagement und heimische Industriekapazität sind vorhanden. Ob der Markt — Betreiber wie Verbraucher — im selben Tempo mitzieht, bleibt die offene Frage.

Südkoreas 6G-7G-Fahrplan ist das weltweit ambitionierteste nationale Programm für Mobilfunk der nächsten Generation: mehr als 650 Millionen US-Dollar Förderung durch das MSIT, Prototypen von Samsung und SK Telecom sowie ein kommerzielles Ziel für 2028/2029. Das IITP fördert bereits 7G-relevante THz-Forschung oberhalb von 300 GHz. Zwar stellen das Risiko des Rollouts vor dem Standard und die unsichere Verbrauchernachfrage Herausforderungen dar, doch Koreas Bilanz als erster 5G-Starter und sein tiefes Industrieökosystem machen das Land zum Favoriten im weltweiten 6G-Rennen.

Quellen

  1. MSIT, 6G R&D Promotion Strategy, November 2023 — msit.go.kr
  2. Samsung Research, 6G: The Next Hyper-Connected Experience for All, 2023 — research.samsung.com
  3. IITP, THz Transceiver Research Program for Beyond-6G, 2022 — iitp.kr
  4. KISDI, 5G Economic Impact Assessment and 6G Outlook, 2024 — kisdi.re.kr
  5. SK Telecom, World's First 5G Commercial Launch, April 2019 — sktelecom.com
  6. 3GPP, Release 20 Work Plan and Study Items, 2025 — 3gpp.org

Frequently Asked Questions

Wann startet Südkorea 6G?

Südkorea peilt den kommerziellen 6G-Start für 2028 bis 2029 an, mit Demonstrationen von Pre-6G-Technik im Jahr 2026. Das liegt ein bis zwei Jahre vor dem globalen Konsenszeitplan von 2030 bis 2032.

Wie viel investiert Südkorea in 6G?

Die koreanische Regierung hat von 2024 bis 2028 mehr als 650 Millionen US-Dollar öffentliche Förderung für 6G-Forschung zugesagt. Sie deckt Funkkommunikation, Kernnetze, Systemintegration und die Führungsrolle in der Normung ab.

Arbeitet Südkorea an 7G?

Südkorea hat kein formelles 7G-Programm veröffentlicht, doch das IITP fördert seit 2022 Forschung zu THz-Transceivern mit Blick auf 7G-Anwendungsfälle. Samsungs Labore untersuchen holografisches MIMO und semantische Kommunikation — Kerntechnologien von 7G. Korea dürfte das erste Land sein, das einen formellen 7G-Fahrplan ankündigt.

Welche Rolle spielt Samsung bei 6G?

Samsung ist Südkoreas wichtigster Entwickler von 6G-Hardware. Das Unternehmen baute THz-Prototypsysteme gemeinsam mit der UC Santa Barbara, veröffentlichte drei 6G-Visionspapiere mit Einfluss auf die 3GPP-Normen und führt weltweit bei Auslieferungen von 5G-Massive-MIMO-Basisstationen — der Grundlage der 6G-Antennentechnik.

Wird Südkorea bei 6G wieder Erster sein wie bei 5G?

Südkorea startete im April 2019 als erstes Land kommerzielles 5G und will das mit 6G wiederholen. Staatliche Förderung, Industrieökosystem und der ambitionierte Zeitplan stützen dieses Ziel, auch wenn die Betreiber eine Hotspot-Strategie statt eines landesweiten Rollouts bevorzugen.